Die Geschichte wiederholt sich. Schon einmal (unter Alan Greenspan) wurden in den USA die Zinsen zu rasch, zu stark,  erhöht. Damals führte das zu einer Rezession. Auch diesmal dürfte dies nicht anders ausgehen, wenn die Zinsen weiterhin in dem angesagten Tempo erhöht werden. Der Grundfehler lag jedoch in den seinerzeitigen massiven Zinssenkungen, die in der Schweiz gar zu substanziellen  Minuszinsen führten. Der erwünschte Effekt der Zinssenkungen kam nie zum tragen. Im Gegenteil, die USA und die EU (über ihre Zentralbanken) wie Private haben sich bis zum abwinken verschuldet, da das Geld ja praktisch nichts kostet. Da die Niedrigzinsen nicht den gewünschten Erfolg brachten haben insbesondere Staaten, mit absurden Milliardenbeträgen Obligationen aufgekauft (sie nannten das „quantitative easing“) und sitzen nun auf ihren vielen Ramschtiteln. Das Investment in diese Obligationen (meist Staatsanleihen), haben immer ein unberechenbares Risiko beinhaltet (tiefe Zinsen und schlechtes Qualitätsniveaus der Schuldner). Dass sich dies eines Tages rächen wird, wussten damals schon die meisten. Trotzdem wurden solche unverantwortlichen Investments getätigt. Steigen nun die Zinsen, fällt der Wert der Obligationen je nachdem massiv. Sie sind nur mit grossen Verlusten zu verkaufen. Aus diesem Grund, ist es eher unwahrscheinlich, dass weltweit die Zinsen stark steigen werden, denn die Schuldner, sprich Staaten, wären dann nicht mehr in der Lage, die Verluste zu tragen.

Private, die sich dank der tiefen Zinsen vorwiegend in Immobilien verschuldet haben, müssten höchstwahrscheinlich ihren Lebensstil überdenken, selbst wenn die kreditgebende Bank korrekt gehandelt und die Tragbarkeit auch für ein höheres Zinsumfeld berücksichtigt hat. Was das Modell für die Tragbarkeit privater jedoch nicht mit berücksichtigt, ist die Tatsache, dass bei stark steigenden Zinsen, weniger Käufer am Markt sein werden und somit der Druck auf die Immobilienpreise steigt. Haben Immobilien weniger Wert, kann es gut sein, dass die Banken teilweise Rückzahlungen der Hypotheken verlangen, damit die Finanzierungsregel wieder gegeben ist. Insbesondere Private, die einen Teil ihrer Eigenmittel mit Vorsorgegeldern finanziert haben (direkt oder indirekt), könnten so einen Teil ihrer Altersvorsorge verlieren.

Neben den oben erwähnten negativen Folgen von zu raschen und starken Zinserhöhungen kommt die reale Gefahr von einem Börsencrash. In der Kombination könnte dies zu einer massiv stärkeren Rezession führen als dies letztmals der Fall war.

Es darf angenommen werden, dass die derzeitigen Regierungen nach Lösungen suchen werden, um Staatsbankrotte zu vermeiden. An Rückzahlungen der immensen Schulden in einem Hochzinsumfeld  ist unter normalen Voraussetzungen nicht zu denken. Da könnte der bereits stark gebeutelte Bürger mal wieder ins Spiel kommen. Die Staaten könnten einmal mehr, das fehlende Geld bei den Bürgern holen. Ein Szenario, das letztmals in Zypern angewendet wurde, wo zum Beispiel die Guthaben auf Bankkonten über Euro 100‘000 konfisziert wurden. Um all diesen Szenarien und der Wut der Bürger aus dem Weg zu gehen, dürfte es unwahrscheinlich sein, dass die Zinsen demnächst stark und rasch erhöht werden. Man wird wahrscheinlich mit dem ebenfalls schlechten Szenario von tiefen Zinsen leben müssen. Verlierer dabei sind weiterhin vor allem die Sparer und die Pensionskassen. In keiner Variante gibt es Gewinner.